Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung — BITV 2.0

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    Barrierefreiheit?

    Wie barrierefrei ist Joomla eigentlich, bzw. wie barrierefrei kann man es ausbauen? Kann dieser BITV 2.0 Standard erfüllt werden?

    Im Netz kursieren Artikel, nach dem ab 2025 ALLE Websites für die öffentliche Hand und ALLE Webshops oder Dienstleister diesen Standard erfüllen müssen. Das wäre dann aber wahrscheinlich das Aus für Joomla für genannten Anwendungen, wenn man sich das durch liest, das kann ist nur noch aufwendig.


    Hat da jemand einen erweiterten Durchblick?


    cu.... O.D.

  • Ich kenne nicht im Detail den BITV2.0 Standard aber der Joomla Core ist schon sehr barrierearm. U.a. auch mit Core-Tools welche einen Webseite Admin unterstützen selbst seine eigene Webseite zu prüfen: JOOA11Y - The Joomla Accessibility Checker (joomla-projects.github.io)

    Ggfs hat firstlady hier noch ein paar mehr Insights.

  • Das wäre dann aber wahrscheinlich das Aus für Joomla für genannten Anwendungen, wenn man sich das durch liest, das kann ist nur noch aufwendig.

    Du musst dich einfach mehr und intensiver mit dem Thema Barrierefreiheit beschäftigen. Dann wirst du auch besser verstehen, dass Joomla als CMS alle Anforderungen erfüllt. Was der Webseitenverantwortliche, Designer oder die Redaktion aus den Vorgaben macht, ist dann eine ganz andere Geschichte.

    Entsprechende Seiten haben wir bereits mit Joomla 3 umgesetzt und die Prüfung erfolgreich bestanden. Im Übrigen ist das Thema wirklich nicht neu und datiert aus dem Jahr 2011.

    BITV 2.0 - Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz

  • Du hast wohl die Entwicklung der letzten Jahre nicht verfolgt? Joomla selber ist WCAG 2.1 AA Conform.
    Damit auch BITV 2.0 (wenn die es nicht geschafft haben, irgend was zu verhunzen was ich jetzt nicht weiss ...)

    Die Frage ist eher, was WebDesigner daraus machen.
    Jeder Designer und jede Extension und jeder Redakteur kann die gesamte Barrierefreiheit einer Seite aushebeln.

    Da war ich zu langsam :)

  • Ich habe letztes Jahr beim JoomlaDay einen Vortrag darüber gehalten:
    Home – Barrierefreiheit in Joomla

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  • Hallo!

    Ich habe mich mit dem Thema schon relativ intensiv beschäftigt, da wird auf der Arbeit Webseiten hatten die nicht barrierefrei waren.

    Das gilt aber nicht für alle Webseiten. Kleinunternehmer fall z.B. u.a. dabei raus.
    Ich würde aber empfehlen das man Webseiten immer barrierefrei erstellt. Irgendwann wird es sicherlich für alle Webseiten Pflicht.
    Das ist kein Hexenwerk. Wenn man von Anfang an sauber arbeitet ist das kein Mehraufwand.

    Meine Empfehlung zum prüfen: https://wave.webaim.org/
    Am besten geht es mit der Browser Extension.
    Die Fehler werden angezeigt und man muss dann schauen woran es liegt und sie beheben.

    Wichtig ist auch das Kontrastverhältnis zwischen Hintergrundfarbe und Schriftfarbe.
    Auch das zeigt das Wave-Tool an und man kann mit Schiebereglern dann das richtige Verhältnis einstellen, sich die Farbewerte notieren und dann im Template entsprechend einstellen.

    Gruß
    sven

  • Guten Abend

    und vielen Dank für die schnellen Antworten. Ich werde sie mir morgen in aller Ruhe durchlesen. Also ist Joomla da sehr gut gerüstet, das ist schon mal eine sehr beruhigende Information.

    Aber wie schaut es denn rechtlich aus, weiß das einer?

    Konkret: Es gibt eine Ausschreibung für die Website einer Gemeinde und ein Anbietender behauptet, dass es bindende Vorschrift für Websites aus der öffentlichen Hand sei, den BITV 2.0 Standard einzuhalten. Ist das so? Denn gleichzeitig setze dieser Anbieter die Gemeinde unter Druck und drohte, wenn ein anderer Anbieter zum Zuge käme, der diesen Standard nicht erfülle, dies anzuzeigen, denn Anbieter mit dem CMS Joomla und Wordpress könnten dies grundsätzlich nicht leisten.

    Also lautet die erste grundsätzliche Frage, ob es diese bindende Vorschrift überhaupt gibt? Und dann daraus folgend, ob Joomla das technisch kann.

    Das Gesetz:

    BITV 2.0 - Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz

    Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung – Wikipedia

    Soweit ich das als Laie übersehen, gilt das also nur für Websites der öffentlichen Hand des Bundes, oder?

    Was das technische betrifft, finden sich im web ja Listen, die einen schwindelig machen. Da sollen Videos mit Moderatoren in Gebärdensprache angeboten werden, ganze Website als Duplikate in sogenannter "leichter Sprache" angefertigt werden.

    Die Leichte Sprache
    Seit der BITV 2.0 sind Leichte Sprache für Internetauftritte öffentlicher Stellen verpflichtend. Doch, was ist Leichte Sprache? Wie grenzt sie sich von…
    www.barrierefreiheit-dienstekonsolidierung.bund.de

    Das mag alles seine Berechtigung haben, ist aber auch eine Herausforderung für uns alle, die Websites erstellen. Und da wird es wieder schwierig für mich zu erkennen, ob man das nun machen MUSS, selbst für die kleinste Gemeinde mit 800 Einwohnern und einem sehr löeinen Budget, oder ob man an das Thema auch gelassener und ohne Hektik heran gehen kann.

    Denn ich muss zugeben: Bislang hat mich noch kein Kunde danach gefragt... Aber ich mach das ja auch nur nebenher.

    cu ... O.D.

  • Ich gebe keine Rechtsberatung, ok? Immerhin kann ich deine Fragen beantworten:

    Zitat

    Es gibt eine Ausschreibung für die Website einer Gemeinde und ein Anbietender behauptet, dass es bindende Vorschrift für Websites aus der öffentlichen Hand sei, den BITV 2.0 Standard einzuhalten. Ist das so?

    Das stimmt ab 2025. Kannst du hier nachlesen https://www.barrierefreiheit-dienstekonsolidierung.bund.de/Webs/PB/DE/ges…esetz-node.html
    Darunter fallen dann auch Gemeinden, Schulen, Universitäten ...

    Joomla erfüllt BITV 2.0.
    Wenn der Konkurrent einen Fehler findet, soll er sich bitte bei uns melden und den Fehler beschreiben. Mail an accessibilty@community.joomla.org dann gehen wir dem nach.

    Gebärdensprache und Leichte Sprache sind in BITV 2.0 nicht für alle Seiten vorgeschrieben, das gilt nur für besondere Seiten.
    Leichte Sprache lässt sich in Joomla als extra Sprache realisieren
    aber die meisten Betreiber bieten einfach Artikel in leichter Sprache an,
    so wie hier: https://www.behindertenbeirat-muenchen.de/index.php/leichte-sprache.
    Da ist auch ein Gebärdensprachvideo.
    Aber so ein Video ist sehr teuer und ich bezweifle dass eine kleine Gemeinde sich das leisten will und kann (oder der Konkurrent).

  • Hallo!

    Korrekt, öffentlichen Einrichtungen wie Gemeinden müssen ab 2025 ihre Seiten barrierefrei haben.
    Das gilt auch für große Firmen.

    Es gibt aber keinen Grund, jetzt noch Webseiten zu erstellen die nicht barrierefrei sind.
    Ich gehe davon aus, das es sicherlich dazu kommen wird, das es für alle Webseiten gilt.

    Was ich aber kommen sehe:
    Das wieder viele Seiten verschwinden werden, da viele gar keine Zeit und das Geld haben sich damit richtig zu beschäftigen.
    Ich hatte schon Stimmen von Schulen gehört, die gesagt haben wenn das kommt, nehmen wir unsere Webseite vom Netz.
    Oder die Webseite wird eben komplett abgespeckt, so das nur noch Kontaktdaten drauf stehen.
    Und damit erreicht dann das Gesetz genau das Gegenteil.

    Letztendlich muss ich sagen, das ich das Gesetz auch voll daneben finde.
    Wenn eine Firma eine Webseite nicht barrierefrei hat, sprich, entsprechende Personen können diese Webseite nicht nutzen,
    dann schadet sich nur die Firma selber. Und das ist doch deren Sache.
    Dazu fällt mir grade folgender Vergleich ein: Wenn Oma Erna die auf den Rollator angewiesen ist, den Friseursalon nur über eine lange Treppe erreichen kann, wird sie dort nicht Kunde und geht zu einem der ebenerdig ist. Somit fällt sie als Kundin für den Salon ganz oben weg.
    Heißt also der Salon schadet nur sich selber, aber nicht anderen. Ist doch bei Webseiten auch nicht anders.

    Man darf nicht vergessen, das eben Gemeinden und Städte derzeit finanziell oft nicht so gut da stehen und dafür kaum bis gar kein Budget haben.
    Letztendlich ist das wie Impressumspflicht und DSGVO das nächste worauf sich Abmahnanwälte freuen. Bringt ja gutes Geld.

    Übrigens ist auch eine Barrierefreiheitserklärung, die regelmäßig aktualisiert werden muss, Pflicht.

    PS:
    Was Ihr Euch auch mal anschauen könnt ist dies hier: https://eye-able.com/
    Ist aber auch nicht ganz billig. Aber das kann man in die Webseite einbinden und die Besucher können dann per Klick selber einiges anpassen.
    Zum Testen auf der Seite mal rechts auf das Männchen klicken.

    Gruß
    sven

  • Wenn ich mich nicht irre müssen öffentliche Websites schon seit einigen Jahren barrierefrei sein:

    Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0)
    Mit der Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV) 2.0 werden die Anforderungen an die barrierefreie Gestaltung von Websites, Webanwendungen, mobilen…
    www.barrierefreiheit-dienstekonsolidierung.bund.de

    Denn gleichzeitig setze dieser Anbieter die Gemeinde unter Druck und drohte, wenn ein anderer Anbieter zum Zuge käme, der diesen Standard nicht erfülle, dies anzuzeigen

    Das klingt sehr nach Erpressung, ich würde der Gemeinde raten sich rechtliche Beratung zu holen.


    Overlay Tools versprechen viel, kosten viel Geld und können doch nicht alles abdecken bzw. machen die Sachen noch schlimmer:

    Accessibility-Overlays – Stellungnahme des European Disability Forum (EDF) und IAAP

    Digitale Barrierefreiheit durch Overlay Tools-Möglich?
    Vorteile und Nutzen von OverlaysGrenzen und Kritik von OverlaysBIK BITV-Test rät von automatisierten Overlays abErklärung zu Overlays von EDF und IAAPRettet u
    distriko.de
  • Hallo!

    Wer kann denn garantieren das eine Webseite wirklich barrierefrei ist?
    Dazu braucht man dann Personen die das testen. Und das kostet wiederum Geld.
    Somit kann man erst mal nur mit bekannten Tools testen und hoffen das nichts passiert.
    Wenn dann etwas bemängelt wird muss man eben sofort ran und das beheben.

    Leichte Sprache ist auch so ein Fall für sich. Das kostet viel Zeit und Geld das alles zu übersetzen.
    Auch dafür gibts Tools, die aber auch wieder Geld kosten.

    Letztendlich ist es das gleiche Thema wie DSGVO und Impressum.
    Der Betreiber der Webseite steht irgendwie immer mit einem Bein im Knast.

    Heutzutage macht es keinen Spaß mehr Webseiten zu betreiben.

    Wer für andere Webseiten erstellt sollte die Kunden auf die Dinge hinweisen.
    Texte, Bilder, Impressum, DSGVO und Barrierefreiheitserklärung sind eh Sache des Kunden, da dieser ja auch dafür verantwortlich ist.

    Ich denke aber das man mit dem Wave-Tool schon sehr weit ist, bzw. die Seite damit schon barrierefrei ist, wenn keine Fehler angezeigt werden.

    Gruß
    sven

  • Korrekt, öffentlichen Einrichtungen wie Gemeinden müssen ab 2025 ihre Seiten barrierefrei haben.

    Das ist nicht korrekt, öffentliche Einrichtungen müssen das schon viel länger. Je nachdem, wer Träger oder übergeordnete Behörde ist, wird die Konformität tatsächlich auch aktiv geprüft - mir ist eine solche Prüfung aber nur eher im behördlichen Kontext begegnet und nicht bei Schulen.

    Das gilt auch für große Firmen.

    Die Verallgemeinerung stimmt nicht.

    Richtig ist: Kleinstunternehmen (also Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern und einem Umsatz < 2 Mio Euro) deren Dienstleistungen vom BFSG betroffen wären, sind ausgenommen.

    Wichtig ist auch: es sind nur Firmen betroffen, die auf ihren Websites "Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr" anbieten, also Leistungen die sich an Endverbraucher richten und bei denen ein Vertrag geschlossen wird oder die Anfrage zu einem Vertragsabschluss eingeleitet wird. Die Leitlinien des BFSG bringen hier als Beispiele natürlich Shops, aber auch die Terminbuchungsfunktion eines Friseursalons

    Letztendlich muss ich sagen, das ich das Gesetz auch voll daneben finde.
    Wenn eine Firma eine Webseite nicht barrierefrei hat, sprich, entsprechende Personen können diese Webseite nicht nutzen,
    dann schadet sich nur die Firma selber. Und das ist doch deren Sache.

    In Deutschland haben 7,8 Millionen Menschen eine Schwerbehinderung, der Teil der Menschen mit für die BITV relevanten Einschränkungen (z.B. Sehschwäche im Alter) ist sogar noch größer. Dieses Gesetz ist also nicht wichtig, damit die Firmen an diesen Menschen "verdienen" können, sondern weil die relevanten Richtlinien in der freien Wirtschaft so systematisch missachtet werden, dass die Betroffenen aus großen Teilen der Angebote ausgeschlossen sind, die Menschen ohne Einschränkungen problemlos wahrgenommen sind. Es geht hier also um die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

    Was Ihr Euch auch mal anschauen könnt ist dies hier: https://eye-able.com/

    Die Gesamtseite hat ein sinnvolles Angebot: Prüfung, Beratung und ggf. als Ergänzung noch ein Tool zur Einbettung.

    Das Tool allein ist aber, wie viele Marktbegleitertools, ein Musterbeispiel für gut gemeinte aber oftmals kontraproduktive Lösung. Seitenbetreiber glauben, sie hätten mit der Einbindung des Tools ihre Seiten barrierefrei gemacht - aber die wirklich kritischen Aspekte (sinnvoll strukturiertes Markup, Tastaturbedienbarkeit etc) können diese Tools prinzipbedingt nicht nachrüsten. Als Betroffener findet man dann also eine nach wie vor unbedienbare Seite vor, während der Administrator sich anerkennend auf die Schulter klopft.

  • Guten Morgen,

    sehr vielen Dank für Eure zahlreichen Meldungen. Habe jetzt alles durch gelesen. Meinen besonderen Dank an firstlady.

    Und auch einiges im Web recherchiert. Ich würde sagen, aktuell ist BITV nur Pflicht für Behörden des Bundes. Siehe 12d BGG https://www.gesetze-im-internet.de/bgg/__12d.html

    Für Bayern - wo ich wohne - gilt dies analog und nur beschränkt auf die Behörden der Landesverwaltung. Somit nicht für die kommunale Verwaltung, diesen wird das nur empfohlen: Bayerische Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung - BayBITV https://www.verkuendung-bayern.de/gvbl/2016-314/

    Erst nach 6/2025 veröffentliche Websites aller Behörden (und andere) müssen dann wahrscheinlich nach EU-Recht die BITV erfüllen.

    Da Joomla die Kriterien erfüllt, können wir also beruhigt an die Ausschreibung gehen und den Punkt mit aufnehmen. Für bestehende Websites kann man nachrüsten oder hat Schonfrist.

    So sollte also kurz die erste Zusammenfassung sein, oder?


    cu ... O.D.

  • Und auch einiges im Web recherchiert. Ich würde sagen, aktuell ist BITV nur Pflicht für Behörden des Bundes. Siehe 12d BGG https://www.gesetze-im-internet.de/bgg/__12d.html

    Die Länder haben einzelne BGGs, für Bayern wäre hier Art 14 anzuwenden:
    Bürgerservice - BayBGG: Bayerisches Behindertengleichstellungsgesetz (BayBGG) Vom 9. Juli 2003 (GVBl. S. 419) BayRS 805-9-A (Art. 1–20)

  • Guten Morgen,

    habe jetzt von meiner IHK von einer Juristin die Auskunft bekommen, dass dieses Jahr auf jeden Fall noch gilt, dass nur Bundesbehörden BITV erfüllen müssen, in BY nur Behörden auf der Landesebene.

    OK - also braucht man nichts überstürzen, aber wie bereits richtig angemerkt, wäre es absolut angebracht, ab sofort nach BITV zu entwickeln.

    Gut! Noch mal vielen Dank für die Mithilfe.

    Wave ist ein Prüftool, sonst noch Tipps, Beispiele oder anderes?


    cu ... O.D.